14. Februar 2017

Medikationspumpen mit Barcode-Etiketten steuern – und weitere Innovationen für die Patientensicherheit

Mediaform, in Gesundheitseinrichtungen bekannt und geschätzt für seine Kennzeichnungslösungen, versteht sich mehr und mehr als Sicherheitsexperte. Dazu berät das Reinbeker Unternehmen seine Kunden rund um Patienten- und Medikationssicherheit – und liefert mit den Armilla Patientenarmbändern und der Medikationssoftware PraxiKett Designer die passenden Lösungen dazu. Steffen Marienfeld, Geschäftsbereichsleiter Medizinprodukte, spricht über aktuelle Entwicklungen bei Mediaform.

Herr Marienfeld, es gibt eine neue Version des PraxiKett Designers. Was hat sich geändert?
Steffen Marienfeld: Im Wesentlichen haben wir die Software einem Facelifting unterzogen, also die Benutzeroberfläche weiter optimiert. Die augenfälligste Änderung ist die Profilverwaltung. Damit kann sich jede Abteilung ein Profil mit individuell relevanten Medikationsetiketten anlegen. Es ist eben so, dass Intensivstationen ein anderes Repertoire an Medikamenten verabreichen als die Anästhesie oder die Chirurgie. Genau das würdigen die neuen Profile.
Wir gehen aber noch einen Schritt weiter und berücksichtigen auch die Tatsache, dass die Anwender, beispielsweise Pflegekräfte, innerhalb einer Klinik auf unterschiedlichen Stationen arbeiten. Da die Medikationsprofile stations- und nicht personengebunden sind, findet der Mitarbeiter nach der persönlichen Anmeldung am System stets die ausgewählten Medikationsetiketten der Station vor.

Wo liegen die Vorteile?
S. Marienfeld: Jeder Mitarbeiter hat stets einen vollständigen Überblick über die Stationsmedikation und kann die auch unmittelbar anfordern. Das erspart bei einem Stationswechsel die zeitaufwändige Suche im Gesamtkatalog. Trotzdem wird jeder Zugriff automatisch dokumentiert.

Wie viele Einrichtungen arbeiten mit dem PraxiKett Designer?
S. Marienfeld: Aktuell sind es 35 Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vorrangig setzen sie es auf der Intensivstation ein, aber auch in der Intermediate Care, der Anästhesie und sonstigen pflegenden Einrichtungen innerhalb der Klinik. Darüber hinaus zählen wir noch rund 30 Installationen im Bereich der niedergelassenen Rettungsdienste – für die wir im Übrigen auch eine Neuerung bereithalten.

Wie sieht die aus?
S. Marienfeld: Bewährt haben sich unsere RETTiketten, die bereits vorgedruckt sind und von den Rettungsdiensten auch so bestellt werden können. Um die Flexibilität zu erhöhen, bieten wir nun eine Online-Version des PraxiKett Designers an. Damit können die Etiketten nach den eigenen Anforderungen selber gedruckt werden.
Wir wollen mit der neuen Version die Sektorengrenzen überwinden und im Sinne der Patienten die Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern verbessern, indem die Medikationskennzeichnung in der Notfallmedizin genauso aussieht wie in der stationären Medizin. Das vereinfacht unserer Meinung nach die Übergabe und weitere Versorgung der Patienten immens.

Warum sind die gleich aussehenden Medikationsetiketten so wichtig?
S. Marienfeld: Heute werden im Schockraum viele Medikationen verworfen, weil sie unklar, nicht korrekt oder anders gekennzeichnet sind, als die Klinik das erwartet. Das können wir durch eine einheitliche Kennzeichnung vermeiden.

Gibt es vielleicht noch weitere neue Anwendung im Bereich der Medikationskennzeichnung, Herr Marienfeld?
S. Marienfeld: Es gibt immer wieder Anwendungsfälle, die sich erst während des Einsatzes ergeben. So sind wir beispielsweise in der Lage, mit dem Barcode auf den Etiketten Medikationspumpen auf der Intensivstation zu steuern. Der Anwender hat also eine Software für den Etikettendruck, mit der er seine Spritzen so intelligent bekleben kann, dass die manuelle Programmierung der Pumpe entfällt.

Wie funktioniert das?
S. Marienfeld: Der Barcode wird an der Medikationspumpe abgescannt. Der Scanner kommuniziert mit der Pumpe seriell, er ist in der Regel über USB oder RS-232 direkt an den Pumpenbaum angeschlossen. So werden automatisch alle notwendigen Informationen vom Etikett an die Pumpe übergeben. Das spart nicht nur das Programmieren der Pumpe, sondern erhöht gleichzeitig die Patienten- und Medikationssicherheit. Momentan funktioniert das mit den neuesten Pumpen der Firma B. Braun.

Wo liegt die Besonderheit der Lösung?
S. Marienfeld: Die liegt darin, dass wir den Barcode individuell parametrieren und mit Pumpenherstellern abstimmen können, um eine nahtlose Integration in die vorhandenen Abläufe zu gewährleisten. Das kann die Klinik allerdings auch ganz einfach selbst übernehmen. Das Universitätsklinikum Regensburg setzt diese Lösung ein.

Was machen Einrichtungen, die keine derart modernen Pumpen haben? Das wird ja die Mehrzahl sein.
S. Marienfeld: Das stimmt. Denen bieten wir weiterhin die Möglichkeit, Patienten- und Medikationsdaten abzugleichen. Sie scannen das Medikationsetikett mittels eines Handheld Scanners. Im Display erscheinen dann die Patientendaten, die verglichen werden können. Noch einfacher ist es beim Einsatz eines Patientenarmbandes. Da müssen nur das Etikett und das Armband gescannt werden, der Abgleich erfolgt dann automatisch. Die Software vergleicht dabei den Medikationsbarcode mit dem Patientenbarcode und gibt dem Anwender eine Rückmeldung, ob beides zueinander passt. Auch das erhöht die Patienten- und Medikationssicherheit enorm.

Apropos Patientenarmband: Gibt es auch Neuerungen bei Armilla?
S. Marienfeld: In der Tat. Wir arbeiten an einem Radiofrequenzarmband, also einem Patientenarmband mit RFID-Chip. Das kann weiter wie bisher, also mit bereits vorhandener Drucktechnik, bedruckt werden, verfügt dann aber über einen speziellen Chip. Der große Vorteil ist, dass jeder RFID-Chip weltweit einmalig ist und wir ihn so problemlos als Speicher- und Informationsmedium nutzen können.

Wie kann das RFID-Armband dann eingesetzt werden, Herr Marienfeld?
S. Marienfeld: Da sind verschiedene Prozesse denkbar, medizinische wie nicht-medizinische. So könnten etwa Hotellerieleistungen wie Telefonie, Fernsehen, Catering, Patientenbücherei und dergleichen erfasst werden. Auf der Hand liegen auch eine Identifikation bei der OP-Ein- und Ausschleusung oder in der Transfusionsmedizin sowie die Unterstützung im Medikationsprozess.
Darüber hinaus werden sich sicher weitere Szenarien ergeben, die die Anwender selbst einbringen. Eine Idee etwa ist, durch sogenannte RFID-Schlösser in den Rollcontainern am Patientenbett das Eigentum der Patienten zu schützen.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke, Herr Marienfeld.

Pressekontakt

Nadine Kneschke
Unternehmenskommunikation/PR

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