06.03.2018

„Kliniken werden weiter in Hard- und Software investieren müssen“

Die Mediaform Informationssysteme GmbH ist mit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Gesundheitswesen einer der führenden Anbieter für medizinische Formular- und Kennzeichnungslösungen. Besondere Kompetenz beweist das Unternehmen in den Bereichen Patientenidentifikation und Medikationskennzeichnung – und ist dabei immer auf der Höhe der Zeit. Wie Patientenarmbänder mit integriertem RFID-Chip innerklinische Prozesse optimieren und gleichzeitig die Sicherheit erhöhen und wie zukünftig Fehlmedikationen noch weiter verringert werden, erklärt Steffen Marienfeld, Geschäftsbereichsleiter Medizinprodukte, im Interview.

Steffen Marienfeld, neben den bewährten Patientenarmbändern mit aufgedrucktem Barcode gibt es jetzt Armbänder mit integriertem RFID-Chip. Wo genau liegen die Vorteile?

Steffen Marienfeld: Neben der – gegenüber Barcodelösungen – fehlerfreien Auslesung, der auf dem Chip gespeicherten Daten, ermöglichen die RFID Patientenarmbänder eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten, die über die eigentliche Patientenidentifikation hinausgehen.

Haben Sie dazu konkrete Beispiele?

Marienfeld: Im medizinischen Bereich lassen sich RFID Patientenarmbänder beispielsweise zur elektronischen Zutrittskontrolle in Hochsicherheitsbereichen wie zum Beispiel auf Intensivstationen nutzen sowie auch für die Sicherheit von weglaufgefährdeten Patienten. Letzteres ist über eine passive Identifikation an Türen und Ausgängen möglich und macht eine permanente Ortung überflüssig. Darüber hinaus lassen sich die Armbänder auch als Zugang zur elektronischen Patientenakte nutzen. Damit wird auch der aktuellen Hardwareentwicklung von mobilen Endgeräten Rechnung getragen, denn dank der NFC-Technologie kann eine berührungslose Identifikation über Tablets und Smartphones gewährleistet werden.  

Lassen sich daraus auch Vorteile für Patienten ableiten?

Marienfeld: Ja, auch hier gibt es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten – beispielsweise zur sicheren Verwahrung von Patienteneigentum in Rollcontainern oder Schränken mit integriertem elektronischen Schließsystem. Zudem ist es möglich, die Armbänder als Zugangsmöglichkeit für Patienten-Entertainment-Systeme einzusetzen. Hier findet schon seit einiger Zeit ein Wandel statt – weg vom gemeinschaftlich genutzten Fernseher hin zu individuellen Entertainment-Systemen mit Fernsehen, Internet und Telefon. Diese können jederzeit benutzerfreundlich über den RFID-Chip im Armband gesteuert werden. Gleichzeitig nutzen Ärzte den Fernseh-Bildschirm, um Patientenakten mit Laborwerten und Röntgenbildern direkt beim Patienten aufzurufen.      

Können Patientenarmbänder auch die Sicherheit bei der Medikationsvergabe erhöhen?

Marienfeld: Selbstverständlich. Barcodierte Patientenarmbänder haben seit der Handlungsempfehlung „Sichere Patientenidentifikation“ des Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) im Jahr 2008 die Prozessabläufe in den Kliniken grundlegend verändert. Die damals geprägten Kerndatensätze werden heute unter anderem zur OP-Schleusung, bei Patiententransporten, der Point-of-Care-Diagnostik sowie bei der Arzneimittelvergabe über das Unit Dose-System genutzt. Daher ist es nur logisch, dass die Patientenarmbänder auch bei der Medikationsvergabe zum Einsatz kommen.  

Wird denn der Abgleich zwischen Medikament und Patient in den Kliniken auch praktiziert?

Marienfeld: Das funktioniert natürlich nur, wenn auf den Medikamenten ein entsprechender Barcode hinterlegt ist, der dann mit den Patientendaten auf dem Armband abgeglichen wird. Voraussetzung ist eine angeschlossene Apotheke mit Unit-Dose-System wie beispielsweise in Unikliniken. Dies gilt aber häufig nicht für aufgezogene Medikamente wie Spritzen und Ampullen. Hier kommt es nach wie vor durch handschriftliche Angaben zu Medikationsfehlern und Verwechslungen.  

Mit dem PraxiKett Designer bieten Sie auch dazu eine Lösung an. Was ist das Ziel der Medikationssoftware?

Marienfeld: In der derzeitigen Version verfolgt der PraxiKett Designer mit mehr als 500 standardisierten, farbigen Spritzen und Perfusor-Etiketten nach DIVI-Empfehlung das Ziel, die Verwechslung von aufgezogenen Medikamenten zu vermeiden. Derzeit arbeiten wir an einer neuen Version, die im Laufe des Jahres auf den Markt kommen wird.

Was wird es für neue Funktionen geben?

Marienfeld: Aktuell bereiten wir die Möglichkeit vor, Etiketten für das Unique Device Identification-Systems (UDI) zu kennzeichnen, das mittelfristig in der EU gesetzlich verankert werden soll. So können wir sicherstellen, dass die Identifikation von barcodierten Ampullen sowie das Drucken des dazu passenden Medikationskennzeichnungsetiketts problemlos möglich ist. Künftig können wir so verhindern, dass ein falsches Etikett auf einer Spritze appliziert wird. Außerdem wird es möglich sein, Patientendaten auf den Spritzen nach dem Unit-Dose-System zu ergänzen, sodass ein Abgleich mit dem Patienten möglich wird. So gewinnt der PraxiKett Designer bei der Arzneimitteltherapiesicherheit enorm an Bedeutung.

Mit welchen Neuerungen und Entwicklungen rechnen Sie 2018 noch?

Marienfeld: Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung von innerklinischen Prozessen werden weitere Ausgaben für Soft- und Hardwareprodukte nötig. Zukünftig werden Barcode, RFID beziehungsweise NFC bei der klinikweiten Vernetzung von Hard- und Software eine wesentliche Rolle spielen, denn Schnittstellen werden es aufgrund des Anbieter-Wettbewerbs und des technologischen Fortschritts zunehmend schwerer haben. Zudem ist das Thema Entlassmanagement noch in der Umsetzung und macht die Identifikation und die Codierung von Patientendaten notwendig. Daher werden Kliniken vermehrt auch in geeignete Barcodescanner und -drucker investieren. Hierbei stehen vor allem Produkte mit hochwertigen, dauerhaft lesbaren Barcodes im Vordergrund.